Geschichte begreifen – Antifaschistische Führung auf dem Schlossberg

Till Blatt

Am 3. September fand der zweite Teil des antifaschistischen Stadtspaziergangs durch Heidenheim statt. Von der Voith-Arena über den Schlossberg bis hin zum Schloss Hellenstein wurden Orte besucht, die an die Jahre 1933–1945 erinnern – darunter ein KZ-Außenlager, eine Polizeischule sowie Stätten von Zwangsarbeit. Die Führung von Heiner Jestrabek machte deutlich, wie eng lokale Geschichte und Erinnerungskultur miteinander verbunden sind.

Wie prägt die Vergangenheit unsere Stadt – und welche Verantwortung leiten wir daraus für die Gegenwart ab? Mit diesen Fragen setzte sich der zweite Teil des antifaschistischen Stadtspaziergangs auseinander, zu dem das Bündnis gegen Rechts eingeladen hatte. Zahlreiche Interessierte, darunter Omas gegen Rechts, InDeWe-Aktive und Mitglieder unseres Kreisverbands, nahmen teil. Geleitet wurde die Führung von Heiner Jestrabek.

Start an der Voith-Arena: Wo heute Fußball gespielt wird, befanden sich in der NS-Zeit ein KZ-Außenlager des Konzentrationslagers Dachau, eine Polizeischule, eine SA-Schule sowie eine SS-Nachrichtenhelferinnen-Schule. Dort wurden auch KZ-Häftlinge zur Zwangsarbeit eingesetzt, etwa beim Bau von Schießanlagen und Gebäuden. Eine von Häftlingen hinterlassene, beschriftete Ofenkachel zeugt bis heute von ihrem Alltag und ihrer Standhaftigkeit.

Von dort führte der Weg über den Schlossberg, vorbei am neu angelegten Evolutionsweg, bis hin zum Naturtheater und Schloss Hellenstein. Die Teilnehmenden erfuhren von den kulturellen und politischen Traditionen der Weimarer Zeit in Heidenheim, die stark von Arbeitervereinen und Gewerkschaften geprägt waren, ebenso wie von geplanten Großbauten der NS-Zeit, die nie vollendet wurden.

Deutlich wurde, dass Erinnerungskultur nicht nur die Vergangenheit beleuchtet, sondern auch in die Gegenwart wirkt. Forschung, künstlerische Impulse und Orte wie der Evolutionsweg tragen dazu bei, Wissen lebendig zu halten und Diskussionen über Demokratie, Aufklärung und Verantwortung anzuregen.

Auch Persönlichkeiten der Stadtgeschichte wurden in den Blick genommen: etwa Hermann Mohn, dessen archäologische Entdeckungen bis heute Bedeutung haben und der sich zugleich als Demokrat und Dichter in Heidenheim engagierte. Ebenso wurde thematisiert, wie einzelne Personen in der NS-Zeit in öffentliche Funktionen kamen und wie ihre Rolle nach 1945 lange Zeit nur unzureichend aufgearbeitet wurde.

Viele Teilnehmende nahmen neue Eindrücke mit: Geschichte zeigte sich nicht abstrakt, sondern an konkreten Orten, Biografien und Erinnerungsstücken.

Erinnern heißt handeln – auch heute.
Für eine offene und solidarische Gesellschaft.

Wir danken dem Bündnis gegen Rechts für die Organisation – und Heiner Jestrabek für die fundierte und engagierte Leitung dieser wichtigen Führung.